Archiv: Marginalie

Aus dem Tagebuch

Ich kann mir ganz gut eine Zeit und keineswegs ferne Zeit denken, die den Liebesbeziehungen der Geschlechter ein ebenso geringes Interesse entgegenbringt wie der Verdauung oder den sonstigen Körperfunktionen, über die kein schöngeistiges Gerede ist. [mehr]

Balaschew

Man bleibe mir mit den amerikanischen Millionären vom Leibe. Die russischen Millionäre: das ist das wahre. Zum Beispiel: Balaschew. Balaschew war ein großer Philosoph. Er tat immer gerade das Gegenteil von dem, was man von ihm erwartete. [mehr]

Aus dem Tagebuch

Wenn man aus dem Fenster des sechsten Stockes herunterfällt, so hat man, wenn man am ersten Stock vorbeifliegt, nicht den Gedanken: Gottseidank, jetzt bin ich gleich unten. Aber Bethmann-Hollweg … [mehr]

Hört, ihr Tauben!

Pardon, es ist nicht wahr. Das heißt, es ist ja wahr. Er hat es gesagt, er war berechtigt, es zu sagen, aber es ist übertrieben. Die Hoffnung ist nicht begründet. Das Friedensbedürfnis der Mächte ist nicht zu verkennen. Es wäre verfehlt, wollte man. [mehr]

Desperanto

Neuer Kurs: Für Vorgeschrittene. Die Übungsstücke sind den Heften der ‚Zukunft‘ entnommen. Zukunftmusik: Unangenehmes Geräusch [mehr]

Unsere Prinzeß und unsere Press’

Das deutsche Volk hat ein tiefbedauerliches Ereignis in diesen letzten Tagen hinter sich gebracht: die Tochter Wilhelms II. hat sich verlobt und die Zeitungen haben Kommentare dazu geschrieben. [mehr]

Wagenpartie

Herr Dr. P sagte vormittags zu mir: „Darf ich Sie für den Nachmittag zu einer Wagenpartie einladen in Ihren geliebten Ort ‚Mürzzuschlag‛?!“ „Bitte sehr“, erwiderte ich. [mehr]

Von einer Feuerwehr, die sofort erscheint

Es ist schön, daß die Feuerwehr allerorten keine Protektion kennt, sondern Königspaläste ebenso schnell bedient wie die Hütten der Armen. Aber es ist zugleich ein Beweis, wie die Presse, die ihre Kunden auch alle gleich schnell bedient, den Schwachsinn bereits verwöhnt hat. [mehr]

Erlebnis

Ich habe eine Dame kennen gelernt, die mir sehr gefiel, so „neapolitanische Schönheit“, braungelb, zart, mit gerader edelster Nase. Ich war neugierig auf ihr 3½ jähriges Töchterchen. [mehr]

Merkmale der Entspannung

Ein Oberleutnant — aus dem Krieg wird ja doch nichts — säbelt einen Kutscher nieder. Die Fürstin, die im Wagen saß, sagt aus, der Kutscher habe „‚Halt die Goschen, blöder Kerl!‘ in dem gutmütig-groben Ton, den wir gewöhnt sind“, gerufen. [mehr]