Erich Mühsam
Kultur und Frauenbewegung

Wir bilden uns gewaltiges darauf ein, daß der erfinderische Geist der Menschen in unseren Tagen fast alle Elemente der Natur in seine Macht gezwungen hat. Die philosophische Erkenntnis von der Irrealität der Zeit hat die Technik mit der Konstruktion der Eisenbahnen, Schnelldampfer, Automobile, Luftschiffe und Flugzeuge durch die praktische Irrealisierung des Raumes ergänzt. Telegraph und Telephon haben vollends jede räumliche Entfernung aus der Welt geschafft. Das Grammophon und das bewegte Lichtbild rettet die Erinnerung an alles Geschehn für die kommenden Geschlechter. Die Bewaffnung unserer Armeen und Flotten ist derartig, daß die Massenvernichtung streitbarer Menschen das Werk weniger Handgriffe geworden ist. Die Mediziner haben die Erreger der meisten Krankheiten erkannt und wissen sie zu vernichten. Die Physiker sind auf gutem Wege, die Urkräfte der Natur, Meeresflut und Sonnenlicht, für die Bedürfnisse der Menschen einzufangen und die Erforschung der geheimen Eigenschaften des Radiums scheint einen starken Schritt auf dem Wege zur endlichen Entdekkung des Steins der Weisen zu bedeuten.

Alle diese und noch viele weitere Beispiele intellektueller Wunder zählt der Zeitenthusiast auf, dem man die ganzen Jahrhunderte seit der Renaissance als Epoche völliger kultureller Stagnation zu schmälen wagt. Denn aller Zauber technischer Bequemlichkeit und Zweckmäßigkeit hat nicht vermocht, in den Menschen dieses Zeitalters das Bedürfnis nach einer Weihe der äußerlichen Zivilisation durch die Innerlichkeit einer Kultur zu wecken.

Kultur ist Adel der Völker: das gemeinsame Wissen um Schönheit und Gerechtigkeit. Wo der Buchstabe den Geist beherrscht, kann keine Kultur sein. Wo Knechtung ist, Zwang, Gewalt, Dogma und Dünkel, herrscht Unkultur. Die Gegenwart aber mit allen Errungenschaften praktischer Dynamik ist tiefer als irgend eine Zeit vorher befangen in Vorurteilen, moralischen und gesellschaftlichen Dogmen, Größenwahn und sozialer und geistiger Verworrenheit. Die religiösen und sittlichen Begriffe der Menschen sind erstarrt, während die Beweglichkeit des menschlichen Verstandes in der Ersinnung raffinierter Apparate Rekorde schlug. Und so sehen wir jetzt als Herrn der Erde ein Wesen, dessen Hand die Erdachse zu steuern weiß, und dessen Seele in Indolenz und Barbarei verknöchert ist.

Jeder Versuch, die ungeheuerliche Kluft zwischen Zivilisation und Kultur durch Anstrebung anständiger Beziehungen zwischen den Menschen zu überbrücken, zerschellt an dem Wahn, dem die Ausnützung der Naturkräfte für mechanische Bedarfszwecke als die Vollkommenheit des Glückes gilt. Bewegungen und Bestrebungen gibt es freilich genug, deren Existenz allein die ethische Verwahrlosung unseres Zusammenlebens beweist. In ihnen allen kommt die Sehnsucht nach gesünderen Verhältnissen deutlich zum Ausdruck. Sie alle aber leiden unter dem Dilettantismus einer äußerlich interessierten Einseitigkeit und unter dem Mangel an Einsicht, daß Kultur nur aus der Verinnerlichung des gesamten geistigen Lebens erwachsen kann.

Überall fehlen die großen Gesichtspunkte. Überall soll die Welt von einem Punkte aus kuriert werden. Überall kleben die Problemchen am Tage, und jeder kräftige Antrieb zu umwälzender Neuerung erstickt unter der Angst vor den Konsequenzen. Wie eng ist ringsum der Horizont der Kulturethiker! Wie zaghaft ihr Revolutionarismus!

Da sind die Freidenker. Sie wollen der Menschheit den Knebel der pfäffischen Zwanglehren aus dem Halse ziehen, und stopfen ihr dafür einen Ballen fragwürdiger Wissenschaftlichkeit hinein. Dekretiert die Kirche: du mußt glauben! — so dekretieren die Freidenker: du darfst nicht glauben! — und droht die Kirche den Zweiflern und Abtrünnigen mit dem Verlust der ewigen Seligkeit, so drohen die Freidenker den Frommen und Insichgekehrten mit dem Spott und der Verachtung der Jahrtausende. Ob Ernst Haeckel wirklich der Welt tiefere Wahrheiten zu sagen hat als Jesus Christus? Ich leugne nicht, daß mir die Bergpredigt ernstere Gedanken nahelegt, als das Buch von den Welträtseln.

Da sind die Pazifisten. Sie wollen die Erde von den Schrecken der Kriege erlösen, die sie mit Recht als das entsetzlichste Symptom barbarischer Verkommenheit erkannt haben. Aber die Idee, den Willen der Massen, die die Soldaten zu stellen haben, zu Aktionen zu beeinflussen, und den Krieg dadurch praktisch unmöglich zu machen, weisen sie weit von sich. Sie paktieren mit den Organisationen der waffenklirrenden Mächte um möglichst „humane“ Anwendung der Kanonen und schreien Triumph!, wenn Deutschland und England ein Abkommen treffen, das das Wettrüsten der Flotten auf das Verhältnis 10:16 beschränkt. Der dauernde Völkerfriede ist ihnen ein fernes Idol, der Kampf gegen den Militarismus eine frivole Voreiligkeit. Welche philiströse Genügsamkeit!

Da sind die Bodenreformer. Sie wollen die Erde, die natürliche Stätte alles Werdens und Seins, der wucherischen Spekulation des Kapitals entziehen. Sehr schön. Aber gegen die folgerichtige Erweiterung ihres Strebens, die Sozialisierung der gesamten Volkswirtschaft, wehren sie sich mit Händen und Füßen. Ach, Herr Damaschke, ob dem Armen, der seine Hände nicht bewegen darf, die Möglichkeit zur selbstgewählten Arbeit von einem feudalen Grundbesitzer oder vom allvermögenden Staat genommen wird, das ist ihm herzlich einerlei. Damit, daß das Land niemandem gehört, ist es nicht getan. Es muß es auch jeder benutzen dürfen.

Da sind die Sozialdemokraten. Sie haben eingesehen, daß die Not der Zeit in den Privilegien der besitzenden Minderheit begründet ist. Aber sie haben sich einer schwachmütigen Philosophie verschrieben, die ihnen die Mühe des Kampfes abnimmt, und das Volk auf die selbsttätige Entwicklung der Zeit vertröstet. Inzwischen doktoren sie in schöner Eintracht mit den befehdeten Kapitalisten an tausend Nebensächlichkeiten und Gleichgültigkeiten herum, werben mit erstaunlichem Eifer und Erfolg für ihre staatserhaltende Tätigkeit Bürgerstimmen und hüten sich in berechtigter Besorgnis, diese Stimmen könnten wieder verloren gehen, vor jedem Schritt, der geeignet wäre, ein Spürchen sozialistischer Gestaltung in Gesichtsnähe zu bringen. Politische Parteispießer wie alle andern.

Da sind die zahllosen Gruppen und Bewegungen, die durch die Propaganda einer Weltanschauung oder durch die Regulierung der Lebensweise die verschobene Ordnung der Dinge glauben ins rechte Gleis rücken zu können. Vegetarier, Temperenzler, Theosophen, Keuschheitsbündler, System-Müllerer, harmonische Gymnastiker, Sportakrobaten aller Art und hunderterlei anderer Weltverbesserer. Sie alle wissen die einleuchtendsten Gründe anzuführen, warum gerade ihre Methode, das Leben anzufassen, das Heil der Menschheit herbeiführen müsse. Sie alle aber haben Brillen auf der Nase, die ihren Blick auf irgend ein unwesentliches Etwas im großen Getriebe des Weltgeschehens hinlenken, dies kleine Etwas gigantisch vergrößern und alles verdunkeln, was ringsum treibt und wirkt. So wahr es ist, daß an jedem Punkt angesetzt werden muß, um Helligkeit und Ordnung in das Chaos der Dinge zu bringen, so wahr ist es auch, daß Kultur nur aus dem starken und großen Willen entstehen kann, durch Einsicht und Tat das gesamte Wesen der Dinge zu erfassen.


Der beschämendste Vorwurf, der gegen die würdelose Unkultur dieses vom mechanischen Erfindungsgeist besessenen Zeitalters zu erheben ist, betrifft die Behandlung der weiblichen Hälfte der Menschheit. Die ungeheuren Veränderungen, denen sämtliche Angelegenheiten der menschlichen Gemeinschaft im Laufe der Weltgeschichte unterworfen waren, haben naturgemäß auch die Beziehungen der Geschlechter zu einander und die Stellung des Weibes zur Gesellschaft grundsätzlich verschoben. Aber das traditionelle Recht der Männer, allein auf die Einrichtungen der menschlichen Dinge bestimmend einzuwirken, hat veranlaßt, daß die Frauen heute noch um den kleinsten Anspruch auf Beteiligung an der Gestaltung des gemeinsamen Lebens erbittert kämpfen müssen.

Die Industrialisierung der Volkswirtschaft und die Entfaltung des Kapitalismus zwangen die Frauen aus den Küchen und Kinderzimmern ihres hausmütterlichen Waltens in die Offizinen der Werktätigkeit. Die Notdurft des Daseins stellte sie mitten in den Konkurrenzkampf zu den Männern, denen sie allmählich — unter Überwindung der hartnäckigsten Widerstände — das Recht zum Wettbewerb in fast allen Gebieten der praktischen Betätigung abtrotzten. Heute stellen die Frauen in den manuellen wie auch den gelehrten Berufen ein so starkes Arbeiterkontingent, daß die Weisheit abgeklärter Mannsbilder, die das zarte Geschlecht für Kochtopf, Waschfaß und Ehebett reserviert sehen möchten, nicht mehr widerlegt zu werden braucht.

Dabei darf nicht verkannt werden, daß die Inanspruchnahme der Frauenkräfte für die Beschaffung der lebensnotwendigen Werte keineswegs in der natürlichen Organisation der Welt vorgesehen ist. Unter den zahllosen mörderlichen Verfahrenheiten unserer Zeit ist eine der mörderlichsten der den Frauen abgezwungene Mißbrauch ihrer Kräfte für Männerwerk. Es ist abscheulich zu denken, daß die Mehrheit der Frauen in den zivilisierten Ländern die Möglichkeit, Kinder zu gebären, zu nähren und zu erziehen, mit dem Verbrauch ihrer besten Energieen für Erwerbszwecke selbst bezahlen muß; ja, daß unzählige arme Weiber durch diesen von Männern konstruierten, von Männern geleiteten Irrsinn um das Recht auf Mutterschaft überhaupt betrogen werden.

Umsomehr Ursache haben aber die Frauen, mit dem ganzen Aufgebot ihres Willens dahin zu streben, daß ihnen neben der Pflicht zur Arbeit das Recht zur Mitbestimmung am sozialen Geschehen zuteil werde. Die Zweifel an ihrer Fähigkeit zu solcher Beteiligung, wie sie unter Männern immer wieder laut werden, sind frevelhafte Anmaßung. Wir brauchen nur an die Zeit der Romantik zu erinnern, und Namen wie Charlotte v. Kalb, Bettina v. Armin und Rahel auszusprechen, um zu wissen, wie vermessen die Behauptung ist, Frauen seien nicht fähig, geistige Werte zu schaffen. Im Gegenteil: es ist fast mit Sicherheit anzunehmen, daß der praktische Einfluß der Frauen auf die Gestaltung der öffentlichen Zustände am schnellsten und radikalsten dem furchtbaren Unglück steuern könnte, das die Vernachlässigung und Unterernährung der Keime im Leibe arbeitender Mütter für die gesamte Menschheit bedeutet. Denn Frauen sind allgemein viel eher als Männer bereit, wo ihre Leidenschaft bewegt ist, ohne Rücksicht auf kleinliche Bedenken geraden Weges aufs Ziel los zu gehen. Das beweisen in der allerjüngsten Zeit die Frauen der russischen Volkserhebung, die die aktivste Mannschaft der ganzen Revolution in den Kampf gestellt haben. Das beweisen jetzt wieder die Suffragettes in England, die ohne vor dem Gefängnis und selbst vor dem Tode Angst zu zeigen, dem Lande ihren Willen mit den Mitteln der terroristischen Aktion aufzuzwingen versuchen.

Wie dumm und schäbig ist doch der Hohn, der feixend aus allen Zeitungsrinnen auf die „Wahlrechts-Weiber“, die doch wohl für eine Sache der Allgemeinheit streiten, niedertrieft. Man möchte den Helden hinter ihren geschützten Redaktionspulten wohl ein bißchen von dem opferwilligen Wagemut wünschen, der jene Frauen auszeichnet. Mit den. Mitteln, die das Beispiel der Männer ihnen anweist, die ja zur Durchsetzung ihrer Dekrete auch nichts besseres wissen, als rohe Gewalt, kämpfen sie für ihre Überzeugung, lassen sich monatelang einsperren und verweigern mit einer Selbstüberwindung, die jedem Revolutionär Ehre machen würde, die Aufnahme der Nahrung in den Gefängnissen, um durch solchen passiven Widerstand selbst die Muskelstärke der gegen sie aufgebotenen Schutzleute unwirksam zu machen.

Gewiß haftet allen Gewaltsamkeiten etwas Peinliches an. Wo zumal Gewalt ohne einleuchtenden Sinn verübt wird, verliert außerdem die bracchiale Wut an überzeugender Wirkung. Aber es ist nicht zuzugeben, daß die Londoner Stimmrechts-Amazonen bisher in ihren Temperamentsausbrüchen allenthalben ohne Überlegung und Verstand zu Werke gegangen wären. Abgesehen davon, daß die Provozierung von Verhaftungen und Gefängnisstrafen eo ipso einen starken agitatorischen Eindruck nie verfehlen kann, wo sie zur Erringung öffentlicher Rechte geübt wird, haben die Suffragettes zumeist auch an und für sich wirksame Gesten für ihren Zorn gefunden. Straßenumzüge haben etwas Imposantes stets an sich, Volksversammlungen sind geeignet, schwankende Gemüter durch das Wort zur Einsicht zu bestimmen, das Attentat auf die (leerstehende) Wohnung des für die Harthörigkeit der Regierung verantwortlichen Ministers kann als Willensausdruck ebenfalls nicht mißverstanden werden. Selbst den Sinn der Petroleum-Unternehmungen gegen die Briefkasten glaube ich deuten zu können. Wenn die Frauen mit dem Exempel, daß sie imstande sind, in Handel und Verkehr Unordnung zu stiften, dartun wollen, daß sie auch fähig sind, an der Organisation des Verkehrs positiv mitzuarbeiten, so ist das keine üble Beweisführung. Unverzeihlich aber ist der Überfall einzelner Damen auf die Orchideen- und Gewächshäuser. Blumenzerstörende Frauen — das ist häßlich, weil es aller Weibheit ins Gesicht schlägt.

Was ich indessen aufs Ernsteste gegen die ganze Frauenbewegung, wie sie heutzutage geführt wird, und wie sie in den Londoner Exzessen zum Ausdruck kommt, einzuwenden habe, ist der Mangel an Radikalismus in ihren Zielen und Absichten. Die Kleinheit der weiblichen Rechtsforderungen steht in gar keinem Verhältnis zu dem Aufwand an Leidenschaft, Heldenmut und Aufopferung, die dafür aufgeboten werden. Mit dieser selbstgewollten Beschränkung degradieren die Frauen ihren Kampf völlig auf das Wertmaß der Forderungen von Freidenkern, Pazifisten, Bodenreformen! und Vegetariern und hören auf, Kulturstreiterinnen zu sein. Ich habe das vor genau einem Jahre schon einmal hier ausgeführt (vgl. „Kain“ 1. 12. „Die Stimmrechts-Amazonen“). Damals schrieb ich:

„. . . . . . Daß die Frauen nicht wählen dürfen, ist gewiß albern und ungerecht, da nun einmal der Parlamentarismus als eine freiheitliche Errungenschaft gilt. Aber man möchte wünschen, daß so entschlossene Vertreterinnen ihres Geschlechts sich für wichtigere Dinge aufopferten, als für Männerrechte, die keine Rechte sind. Die Verweigerung der politischen Mitwirkung ist unter den Mißhandlungen, denen die Frauen in allen Ländern ausgesetzt sind, die gleichgültigste. Ist es ihnen um freien Atem zu tun, so sollten sie ihre Anstrengungen zunächst auf eine würdigere Einschätzung ihrer persönlichen Lebensbedürfnisse richten. Solange das private Tun des Weibes der Kontrolle der Männer untersteht, so lange die geschlechtliche Unerfahrenheit des Mädchens von der Gesellschaft als Wertmaß der Tugend Geltung hat, solange das sexuelle Leben der Frauen außerhalb der staatlich gestempelten Ehe als verächtlich und unsittlich angesehen wird, solange wird das weibliche Geschlecht in der Tat dem männlichen Untertan sein, und solange sollten die Frauen nicht nach äußerlichen Gleichberechtigungs-Titeln greifen. Eine Frau, die sich schämt, Mutter illegitimer Kinder zu werden, hat keinen Anspruch auf Ämter, für die Energie, Selbständigkeit und eigene Verantwortung gefordert werden. Mögen sich die Frauen zunächst einmal von den Vorurteilen einer prüden Moral befreien, mögen sie in ihren persönlichen Entschließungen den eigenen Willen statt des Urteils der Mitmenschen bestimmen lassen, dann werden sie sich bei den Männern schnell genug die Achtung verschafft haben, die auch ihren politischen Wünschen den erforderlichen Nachdruck geben wird, — zumal in England.“

In der Tat: Eine Frauenbewegung, in rechte Bahnen geleitet, scheint mir berufen, die wichtigste Pionierarbeit aller Kultur zu leisten. Das schändlichste Verbrechen der von Männern inszenierten Weltwirtschaft ist die Entrechtung des Weibes in den Angelegenheiten ihres eigenen Willens und ihrer Kinder. Automobile, Kinematographen und Luftfahrzeuge bleiben ein Hohn auf alle Kultur, bis die Schweinerei der öffentlichen Kontrolle über die Geschlechtlichkeit der Frauen beseitigt ist, die Glorifizierung der Jungfernschaft, die der Deflorierung die Bedeutung einer moralischen Entwertung aufdrückt, aufgehört hat und die Vaterschaft als öffentlicher Rechtstitel verschwunden ist. „Die Frauenfrage ist eine Jungfrauenfrage“, sagt Eduard v. Hartmann. Das Recht aber, das den Frauen zu erkämpfen keine Mühe zu groß sein sollte, heißt nicht Wahlrecht, sondern Mutterrecht.

Jede Frau und jedes Mädchen sollte sich tief die wundervollen Worte einprägen, die Rahel von Varnhagen im Jahre 1820 in ihr Tagebuch schrieb:

„Kinder sollten nur Mütter haben, und deren Namen tragen . . . : So bestellt es die Natur; man muß diese nur sittlicher machen . . . Fürchterlich ist die Natur darin, daß eine Frau gemißbraucht werden kann, und wider Lust und Willen einen Menschen erzeugen kann. — Diese große Kränkung muß durch menschliche Anstalten und Einrichtungen wieder gut gemacht werden und zeigt an, wie sehr das Kind der Frau gehört. Jesus hatte nur eine Mutter . . . Alle Mütter sollten so unschuldig und in Ehren gehalten werden wie Maria“.

[Kain, 2. Jg. (1912/13), Heft 12 (März 1913), S. 177-186. Digitalisat: Anarchistische Bibliothek Wien]

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