Karl Borromäus Heinrich
Die Erscheinung Georg Trakl’s

„Schön ist der Mensch und erscheinend im Dunkel.“
(„Helian“)

Mein lieber Herr von F., dies sind einige Blätter aus meinem Tagebuch. Sie werden bei Ihnen besser aufgehoben sein als bei mir. Denn ich habe schon häufig erlebt, daß mir der Sturzbach des Lebens die kleine Wiese, wo die Blumen der Erinnerung rot aufbrechen, überschwemmt hat. Jetzt möchte ich anfangen, mich gegen das Leben zu verteidigen. Man muß, um das zu können, immer mehr nach innen leben. Das äußere Leben ist voller Tschimbumtara und Fraßgier. Es betäubt das innere Leben zuerst mit dem Lärm seiner verlogenen Wichtigkeit, und frißt es hinterdrein auf. Dieses habe ich nun wirklich satt. Ich lobe mir die Stille, besonders in der großen Unsicherheit dieser Zeitläufte. Überhaupt ist es besser, was uns nahe geht, uns gehört und zu uns gehört, ohne Zaudern einzubringen und wohl zu verwahren. Die geistigen Menschen werden jetzt so rar, daß es eine Art hat; sie können die Ausdünstungen des Intellekts nicht vertragen, aus Ekel werden sie schwindsüchtig und sinken dahin. Daher es nicht geraten ist zu warten, bis die Erinnerungen an sie, sofern man deren hat, ihre Farbe verlieren; oder bis zu den grauen Wochen:

„Da aus des Einsamen knöchernen Händen
Der Purpur seiner verzückten Tage hinsinkt.“
(Georg Trakl, „Nähe des Todes“)

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Im November des vergangenen Jahres machte mich mein guter Freund, der Schriftsteller Hermann Wagner, auf einige Gedichte von Georg Trakl aufmerksam, die in der Zeitschrift „Der Brenner“ erschienen waren. Diese nun las ich, und fühlte mich sehr von ihnen ergriffen. Ich las sie wieder, und staunte. Ich las sie ein drittes Mal, und war erschüttert, verwundert und begeistert zugleich.

Mit großer Klarheit kam mir zum Bewußtsein, was diesen Dichter vor der Masse all’ derer, die heute Verse machen, auszeichnet: während solche, ihrer Mehrzahl nach, hübsche, glatte, wohlgereimte Sachen gleich Pillen drehen, die man nach dem Essen und vorm Einschlafen auf dem Kanapee zu sich nehmen kann, ohne irgendwelche aufscheuchende Emotionen befürchten zu müssen, nimmt dieser Dichter Seele, Aug’ und Ohr des Menschen ganz gefangen. Solches habe ich an ihm erfahren.

(Damals gerade mußte ich mich, von schweren Träumen bedrückt, in einer recht öden Wirklichkeit ergehen. Alles war von Nebeln bedeckt. Ich machte tausend Pläne, aus ihnen herauszukommen, aber alle ganz sinnlos. Wohin ich trat, stieß ich auf die Leichen von Freundschaften, die ich, soweit sie meine Opfer waren, heimlich und möglichst geräuschlos beerdigte. Oh über den tristen Anblick eines Massengrabes! Und darüber wölbte sich die sternlose Nacht meiner Torheiten. Schließlich dachte ich: Hier, oh Borromäus, bist du mit Latein und Deutsch zu Ende. Du bist überhaupt zu Ende. Du kannst nicht mehr weiter. Veronal her! Damals ließ ich mich treiben. Gott aber warf mich an ein schützendes Gestade. Doch dessen will ich in anderen Tagen gedenken …)

Als ich, wie gesagt, solches an diesem Dichter erfuhr, empfand ich ihn als die Erscheinung eines Sehers. Zu ihm redet die Welt in Bildern, aus ihm tönt sie in Bildern zurück. Sein Auge ist ein Spiegel von Bildern; sein Mund das Echo des Geschauten; seine Seele meistert es in Rhythmus.

Zuweilen steigt er in seine Seele hinab, er versinkt in sich selber; aber auch das Unirdische erlebt er in Bild und Zeichen; wo er dennoch einmal, in drei Worten, einen Gedanken ausspricht, ist es allemal einer, der, ohne Auflösung des ganzen Menschen, nicht mehr zu umgehen war: der steht dann wie eine Ruhebank da, von der aus die Fülle tönender Bilder überschaut wird:

„Erschütternd ist der Untergang des Geschlechts.
In dieser Stunde füllen sich die Augen des Schauenden
Mit dem Gold seiner Sterne.“
(„Helian“)

Anfangs Dezember des vergangenen Jahres kam ich nach Innsbruck. Hier fand ich Gelegenheit, mehr von dem Dichter Georg Trakl zu lesen und zu hören. Meine Überzeugung: daß sich in seinem Werke etwas Außerordentliches offenbart, wofür derzeit der Sinn fehlt (ja was wir, als den eigentlichen und wahren Begriff des Dichters, nur mehr aus der Erinnerung an geschichtliche Zeiten kennen, wo der Dichter noch ein Seher war, ein in sich ruhendes Auge, in dem sich die Welt in Bildern bricht, und ein weissagender Mund, aus dem Bilder tönen; denn solches ist der Dichter, von dem ich hier rede), diese meine Überzeugung wurde immer mehr bestärkt.

Bald nun lernte ich auch den Dichter persönlich kennen. Das erste Zusammensein mit ihm verlief nicht glücklich; er hatte, mit anderen, in deren Gesellschaft ich ihn antraf, schon Mehreres getrunken, ich aber trat nüchtern in den Kreis. Jeder weiß, wie schwer es einem da fällt, sich zurechtzufinden. Der Trinker nämlich fühlt sich sehr reich und sicher, der Nüchterne lebt in Armut und Unsicherheit. Was mich indes an jenem Abend besonders störte, war Gegenstand und Art des gepflogenen Gesprächs. Trakl war mit einem kranken Freund von Salzburg über Rosenheim (in Bayern) nach Innsbruck gefahren. In Rosenheim besorgte er eine kleine Flasche Rotwein für den Begleiter; jedoch erwies sich der Wein als miserabel und kostete zudem ein Heidengeld. An dieses gewiß nicht angenehme Geschehnis knüpfte Trakl sein Gespräch an. So recht ich ihm innerlich gab, als er die ihm und seinem Freunde widerfahrene Bewucherung als eine Gottlosigkeit erklärte, so sehr fühlte ich mich verletzt, als er den Einzelfall zu einem typischen machen und aus ihm die allgemeine Untugend der Deutschen ableiten zu müssen glaubte. Freilich erschien mir einigermaßen richtig: daß sich die Deutschen, in vielen Schichten, dem Krämergeist ergeben haben. Aber da sich gerade zu der Zeit, als jene Unterhaltung stattfand einige Völker den lügenhaften Anschein gaben, als möchten sie mit Österreich und Deutschland Krieg machen, war ich von patriotischer Zuversicht erfüllt, die in solchen Fällen jedem Angehörigen jeder Nation wohl ansteht und die ihm auferlegt, mit der Kritik bis auf friedlichere Zeiten auszusetzen.

So verlief, wie schon erwähnt, dieser erste Abend mit Trakl ungut. Der Dichter führte übrigens das Gespräch fast allein, gewissermaßen monologisch; die anderen unterbrachen ihn nicht, widersprachen ihm nicht, und ich schwieg verdrossen; wobei ich mir allerdings vornahm, bei späterer Gelegenheit meine bessere Meinung über einiges Deutsche zum Ausdruck zu bringen. (Ich habe es auch getan, zu seiner Zeit, und erlebte die Genugtuung, daß dieser Mensch, der als deutscher Dichter bestimmt ist den Ruhm der Deutschen zu mehren, manche von mir erhobene Einsprüche als gerecht und richtig anerkannte. Ich habe da an ihm wieder gesehen, was vielfach den geistigen Menschen deutschen Blutes auszeichnet: Daß er, die Mängel der deutschen Art und die innere Zerrissenheit des deutschen Gemütes fühlend — welche ja historisch ist, Deutschland in zwei Konfessionen gespaltet und das kulturell nicht wieder gutzumachende Elend des dreißigjährigen Krieges über uns gebracht hat — daß er trotzdem nicht aufhört, ein Deutscher zu sein. Was Georg Trakl in dieser Richtung bewegt, wäre zum Beispiel an einem französischen Dichter nicht denkbar: da dieser das Franzosentum als solches nie geistig übersehen kann, vielmehr ganz und gar aus ihm herauswächst und in ihm, ebenso völlig, wieder aufgeht. Dem Deutschen allein ist eigen, daß er immer irgendwie über sich hinaus will: weil er den inneren Zwiespalt seiner Seele fühlt und ihn beheben möchte; weil ihm überhaupt und allezeit eine idealere Welt vor Augen steht als die ist, welche ihn umgibt. So auch der Dichter Trakl. Übrigens habe ich von ihm selbst gehört, daß er mütterlicherseits slavisches Blut in sich trägt; was ist natürlicher, als daß er dann auch für die slavischen Tugenden in sich Verständnis fühlt. Vielleicht leitet sich aus solcher Mischung des Blutes die ungemein edle Schwermut her, die vielen seiner Gedichte den sanft mitschwingenden, religiösen Grundton gibt.)

Um aber auf jenen Abend zurückzukommen, so erkannte ich, inmitten des Widerstreites, den mir neuen Menschen doch schon anfangs in einem wesentlichen Zuge: seine monologische Art zu sprechen entsprach durchaus der seltsamen mönchischen Einsamkeit, der innerlich streng und durchgreifend vollzogenen Abgrenzung, die er, wo immer er sich befindet und selbst in Gesellschaft zahlreicher Menschen, stets mit sich trägt. Darum klang auch seine Stimme nicht zum Nachbarn gewendet, sondern wie von weither; in ihrem Ton lag Grollen. Seine Augen sahen nie auf die Umgebenden, sondern, selbst bei direkter Ansprache, stets irgendwohin in die Ferne. Manchmal erhob sich seine Rede wie eine Beschwörung gegen heranziehendes schweres Schicksal. In jedem Fall, ob was er gerade sagte mir innerlich gemäß war oder nicht, fühlte ich von vornherein das Bedeutungsvolle des in sich gekehrten Menschen, der zuweilen vom Leben losgelöst und doch wieder in schmerzlicher Ergriffenheit nach ihm zurückgewendet schien. Hieher gehört, was er selbst mir später einmal gesagt hat: daß er die Menschen, mit denen er zu tun habe, eigentlich gar nicht sehe, daher ihm auch Kenntnis der menschlichen Physiognomie völlig abgehe. Er gewann zuerst in meinen Augen innere Verwandtschaft mit jenem Frangart, welcher, durch Überreife seiner Kultur, den Menschen entrückt, in heroischer Selbstgenügsamkeit edel und einsam für sich bleibt; aber dann überwältigte mich wieder die Kraft seiner ganz eigenen Vitalität; auch sah ich, wie sehr des Dichters Weltabkehr fruchtbar ist von der wohlgemeisterten Fülle seiner Bilder und Gesichte. Damit verhält es sich eben wie geschrieben steht: „Einigen teile Ich bloß allgemeine, anderen besondere Dinge mit; einigen offenbare Ich mich auf sanfte Weise in Zeichen und Bildern, jeglichem zuteilend, wessen Ich ihn für würdig halte.“

Trug ich vom ersten Zusammentreffen die Erinnerung an einen grollenden, hie und da einer höheren Idee zuliebe ungerechten Seher mit mir fort (wobei ich mir nicht verhehlte, daß ich aus der süßen Milde seiner Verse, aus der melodiösen Weichheit ihrer Rhythmen, aus dem stillen Hauch ihrer versöhnungsreichen Melancholie vorher auf einen andern Menschen geschlossen hatte), so lernte ich ihn doch bald nachher anders und besser kennen.

Oh über den Duft der stillen Nachmittage und langen Winternächte, die wir, süßen Rotwein trinkend, zusammen verbracht haben! Welche Anmut fand sich hinter dem rauhen Mantel des Einsamen! Welche Güte, schamhaft verborgen, unter der Herbheit männlichen Wortes! Welche Windstille eines gottergebenen Gemüts hinter der schützenden Mauer des Grolles und der Abwehr der Menschen! Welche Begeisterung hinter dem Anschein ruhiger Bedachtsamkeit und kühlen Verstandes! Welches höhere, vergeistigte Mitleid hinter dem zornigen Tadel! Welche Fähigkeit zu leiden und welche Bereitschaft, hinter versteinerter Miene, hinter rätselhaften Blicken ins Weite! Und welche Ausdrucksfülle, welche Melodik und Modulation in tönenden Bildern!

Da war er durchaus der Dichter, der mit milder Souveränität des Geistes herrscht über seine Welt und was sie innerlich angeht.

In jenen Tagen sann er seinem Gedicht „Helian“ nach. In ihm fand er, harmonischer Ergebenheit voll, den reinsten, ganz harmonischen Zusammenklang seiner Bilder, in unvergänglichen Versen, deren „gerechtes Anschaun“ noch vieler Menschen Seele erfreuen wird. Ich weiß es voraus und sage es jedem auf den Kopf zu; denn ich habe ein Gefühl für das Unvergängliche. Die Dichter à la mode und die Bücher des Jahres schwinden mit der Mode und mit dem Jahr dahin, weshalb ich sie gern übersehe; aber was die in hundert und zweihundert Jahren lesen und entdecken werden, davon entgeht mir nicht leicht etwas. Sie werden den „Helian“ lesen, der da beginnt:

„In den einsamen Stunden des Geistes
Ist es schön, in der Sonne zu gehn
An den gelben Mauern des Sommers hin.
Leise klingen die Schritte im Gras; doch immer schläft
Der Sohn des Pan im grauen Marmor.

Abends auf der Terrasse betranken wir uns mit braunem Wein.
Rötlich glüht der Pfirsich im Laub;
Sanfte Sonate, frohes Lachen.

Schön ist die Stille der Nacht.
Auf dunklem Plan
Begegnen wir uns mit Hirten und weißen Sternen.“

Und der da schließt:

„An den Wänden sind die Sterne erloschen
Und die weißen Gestalten des Lichts.

Dem Teppich entsteigt Gebein der Gräber,
Das Schweigen verfallener Kreuze am Hügel,
Des Weihrauchs Süße im purpurnen Nachtwind.

Oh ihr zerbrochenen Augen in schwarzen Mündern,
Da der Enkel in sanfter Umnachtung
Einsam dem dunkleren Ende nachsinnt,
Der stille Gott die blauen Lider über ihn senkt.“

Ja, den „Helian“ werden sie lesen. Vorher muß vieles zugrunde gehen, nicht nur was die Zeitgenossen lesen, sondern auch das Allermeiste von dem was sie tun. Die Gottheit muß sich unserm Geschlecht, dessen intellektueller Hochmut und geistige Armut gleich groß sind, erst auf eine unsanftere Weise offenbaren, bis wieder ein reiner Boden unter den Menschen bereitet ist, wo der Gottheit sanftere Botschaft durch den Geist des Dichters von den Hörern mit Andacht vernommen wird. Helian hat Zeit, bis dahin und noch länger.

Georg Trakl verließ, noch während das bewunderungswürdige Gedicht im Werden war, die Stadt Innsbruck, kam aber nach kurzer Zeit, im Januar 1913, genau gesagt: am 4. Januar 1913, wieder für kurze Zeit dorthin zurück. (Er war in Wien gewesen; die Unmöglichkeit, in Wien einen „Helian“ zu vollenden, trieb ihn wieder nach Innsbruck zurück. Dem gebieterischen Rufe der inneren Gesichte, die den „Helian“ beseelen, untertan, mußte er wichtige — wenn auch immerhin nur zeitliche — Angelegenheiten im Stiche lassen, derentwegen er eigens nach Wien gegangen war. Aber so ist es nun einmal: Der Dichter hat keine Wahl in seinen irdischen Dingen; auf die Gefahr hin, von den Menschen Narr genannt zu werden: immer muß er Gott mehr gehorchen als den Menschen).

In den wenigen Wochen, die Georg Trakl neuerdings in Innsbruck verblieb, hatte ich erst so recht das Glück, von ihm Freundschaft empfangen und ihm Freundschaft geben zu können. Vom Helian aus hatte ich einen tiefen Blick in die Seele des Dichters tun können, deren tiefste Vision der Helian darstellt: so tief wie sie eben sein muß, um ein solches Schicksalsgedicht, unter dessen Zeichen sein Dichter geboren ist und welches zu schreiben zu seiner tragischen, aber grandiosen Bestimmung gehört hat; das auch zugleich eine Offenbarung über das Hinsterben des Abendlandes darstellt und über die reiche versinkende Schönheit seines Unterganges, wie sie nur durch den Mund dieses Dichters laut werden konnte; eine Offenbarung, die aber, einmal laut geworden, auch einmal für immer der Welt gehört. Denn im Helian hat ein „Zurückgekehrter von traurigen Pilgerschaften“ sein und seines Geschlechtes persönliches Schicksal so europäisch erlebt und hingestellt, daß jeder im Innersten davon ergriffen wird: weil es eben jeden Europäer irgendwie angeht. Demgemäß reicht auch der formale Reichtum, der sich im Helian erschließt, von entferntesten Vergangenheiten bis zum Ende des Geschlechts; er hat eine lange geistige Tradition. (Nicht ohne Bedeutung scheint mir, daß der Dichter aus Salzburg stammt, der ältesten deutschen Stätte christlicher Kultur.)

„Zur Vesper verliert sich der Fremdling in schwarzer Novemberzerstörung,
Unter morschem Geäst, an Mauern voll Aussatz hin,
Wo vordem der heilige Bruder gegangen,
Versunken in das sanfte Saitenspiel seines Wahnsinns.

O wie einsam endet der Abendwind.
Ersterbend neigt sich das Haupt im Dunkel des Ölbaums.“
(„Helian“)

――――――

Mein lieber Herr von F., dies habe ich niedergeschrieben, weil man vor sich selber kein Hehl aus dem machen soll, was man verehrt; weil man überhaupt rechtzeitig den Mut zu solcher Verehrung aufbringen soll und nicht erst dann, wenn sich der Schmock selbst nicht mehr getraut zu witzeln und ihm die Geste der Verehrung profitabler erscheint; auch nicht erst dann, wenn der deutsche Literarhistoriker sich wie ein Ohrwurm in den Gehörgang des Dichters einbohrt, natürlich erst nach des Dichters Tod: denn die Insektenart, zu der Literarhistoriker gehören, umgeht das Lebendige. — In solchen Fällen allerdings zeichnet sich der Franzose vor dem Deutschen aus: in Frankreich hat Victor Hugo die Gedichte des damals fünfzehnjährigen Rimbaud, ohne billigen Spott der Zeitgenossen befürchten zu müssen, öffentlich den schönsten Versen der französischen Weltliteratur als ebenbürtig an die Seite gestellt. Bei uns in Deutschland dürfen frühreife Burschen von fünfzehn bis fünfzig Jahren sich über reife Dichter öffentlich belustigen. Gewiß erscheint das Nationale dieser Witzigen nicht immer ganz stubenrein. Aber auch der Deutsche selbst: Respekt vor Lebendigen wird er niemals lernen.

Ich grüße die Ausnahmen!

Ihr

Karl Borromäus Heinrich.

[Der Brenner, 3. Jg. (1912/13), Heft 11 (1. März 1913), S. 508-516. Digitalisat: Austrian Academy Corpus (Anmeldung erforderlich)]

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