Karl Kraus
Hört, ihr Tauben!

Der österreichische Ministerpräsident Graf Stürgkh gab der Deputation die nachstehende wichtige Antwort: Es ist begründete Hoffnung vorhanden, daß in nicht ferner Zeit eine allgemeine Entspannung eintreten wird. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung hat am Sonntag geschrieben, daß die Entspannung unverkennbare Fortschritte gemacht hat. Der Ministerpräsident hat gesagt, es sei begründete Hoffnung vorhanden, daß in nicht zu ferner Zeit eine allgemeine Entspannung eintreten werde. Die Rede des Ministerpräsidenten ist eine Kundgebung für den Frieden und eine Mitteilung an die Monarchie, daß wir nicht nur auf eine Entspannung, sondern auch auf eine militärische Entlastung hoffen dürfen. Heute um 1 Uhr mittags sprach die Deputation vor und der Ministerpräsident Graf Stürgkh erklärte hierauf, daß begründete Hoffnung vorhanden ist, daß in nicht ferner Zeit eine allgemeine Entspannung eintreten wird. Von anderer Seite wird uns gemeldet, daß Ministerpräsident Graf Stürgkh sagte, es sei begründete Hoffnung verhanden, daß in der allernächsten Zeit eine allgemeine Entspannung Platz greifen werde. Über die Konferenz liegt ein Bericht vor, aus welchem hervorgeht, daß der Ministerpräsident Graf Stürgkh die früher erwähnte Erklärung abgab, es sei begründete Hoffnung vorhanden, daß in der allernächsten Zeit eine allgemeine Entspannung Platz greifen werde. Solltet ihr aber noch immer nicht verstehen, so wartet das Morgenblatt ab, wo infolge der günstigeren Raumverhältnisse viel häufiger und noch klarer bewiesen sein wird, daß der Ministerpräsident Graf Stürgkh sagte, es sei begründete Hoffnung vorhanden, daß in der allernächsten Zeit eine allgemeine Entspannung Platz greifen werde.

Nachschrift. Pardon, es ist nicht wahr. Das heißt, es ist ja wahr. Er hat es gesagt, er war berechtigt, es zu sagen, aber es ist übertrieben. Die Hoffnung ist nicht begründet. Das Friedensbedürfnis der Mächte ist nicht zu verkennen. Es wäre verfehlt, wollte man.

Nachschrift. Es ist doch wahr. Aber er hat nur gesagt, es wird eintreten eine Ent, und sie waren in Spannung.

[Die Fackel, 14. Jg. (1912/13), Heft 370/371 (März 1913), S. 45-46]

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